Rock-Feeling schlägt Fußball-Euphorie

Die deutsche Nationalelf und die Band Status-Quo sorgen in Kirchzarten für Adrenalinschocks .
KIRCHZARTEN. Alles begann eigentlich recht gemütlich. Ab dem späteren Nachmittag füllten sich die ausgedehnten Parkplätze um das große Veranstaltungszelt für die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Kirchzarten nur so nach und nach, und die Menschen versorgten sich ohne große Warteschlangen mit Speis und Trank an den einschlägigen Ständen. Nach Einlass um 18.30 Uhr zum Public Viewing des Quasi-Endspiels der deutschen WM-Elf gegen Schweden nach der Eröffnungspleite gegen Mexiko tröpfelten die Zuschauer auch erst nur langsam ein.

Auffallende Kennzeichen fußballerischer Parteinahme wie Trikots, Fahnen oder in Nationalfarben bemalte Wangen hielten sich mit rock-affinen Outfits wie Status Quo-T-Shirts mit deren Tourneedaten auf dem Rücken in etwa die Waage. Der Radiosender Baden.fm, Mitveranstalter des Doppelevents aus WM-Kitzel auf Großleinwand und Konzert der Rockveteranen Status Quo, startete gegen 19.15 im nunmehr gefüllten Zelt eine ausgedehnte Promotion-Runde, an deren Ende sich Sportreporter Frank Rischmüller um Fußballstimmung bemühte. Dann der Anpfiff in Sotschi, gelöste Stimmung ob der anfänglichen Überlegenheit der Deutschen bis – ja bis zum Black-Out von Toni Kroos, in dessen Folge das 0:1 für Schweden fiel.

Das Entsetzen auf den Gesichtern entspannte sich erst nach dem Ausgleich kurz nach der Pause. Gelegentlich ertönten die einzig vorhandene Vuvuzela, und nur einmal ein Sprechchor mit "Jetzt geht’s lohos". Nach dem rettenden 2:1 in letzter Sekunde allerdings war der Jubel groß, doch ebbte er relativ bald wieder ab.

Die Roadies entfernten schnell die Leinwand und bereiteten den Alt-Rockern um Francis Rossi von Status Quo das Feld. Kaum erschienen die Fünf auf der Bühne, wurde am Begeisterungspegel deutlich: Rock-Feeling schlägt Fußball.

Das in einem geschätzten Durchschnittsalter von Ü-45 zusammengesetzte Publikum ging schon bei den ersten saftigen Akkorden des nunmehr fast 70-jährigen Rock-Urgesteins Rossi kräftig mit, und als seine Kumpane Andy Brown (Keyboard, Mundharmonika, Gitarre), John Edwards (Bass, Gitarre, Gesang), Richie Malone (Rhythmusgitarre) und Leon Cave (Schlagzeug) einfielen, wummerte der von vielen noch aus ihrer oftmals wilderen Jugendzeit tief verinnerlichte ehrliche Gitarrenrock im mehr oder weniger variierten Blues-Schema durch das Zelt.

Musikalische Entspannung nach dem Fußballkrimi


Nach wie vor prägten harte, bassbetonte Riffs, stampfender Rhythmus und eher bescheidene Gitarrensoli die Stücke, nur die Bühnenperformance der jahrzehntelang schon tourenden Rocker hat dem Alter geschuldet etwas nachgelassen. Aber Status Quo ist sich seit den Sechziger Jahren immer treu geblieben, sieht man von einer kurzen Psychedelic-Phase aus Kommerzgründen einmal ab. Dies zeigt sich unter anderem am Festhalten eines bei anderen Bands längst ausgestorbenen Rhythmusgitarristen.

In der ersten Hälfte des Programms ähnelten sich die Stücke sehr, zumal sie fast im Nonstop-Tempo hintereinander gespielt wurden. Differenzierung trat ein, als die großen Hits an die Reihe kamen. Bei "Roll over lay down", "In the Army now" und "Whatever you want” und dem Klassiker "Johnny be good" sangen alle im Zelt lauthals mit, teilweise ohne die Lead-Vocalisten der Band. Auffallend dabei: Die Sopranlagen der sehr zahlreich erschienenen Frauen überwogen deutlich.

Alle waren zufrieden, und ein Besucher traf mit seinem Fazit ins Schwarze: "Genau das Richtige nach diesem Fußballkrimi zur Entspannung."
(Badische Zeitung)

          

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Quelle: Deutsche Wetterdienst
Letzte Aktualisierung 27.06.2019 - 07:46 Uhr